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Habte A. - Der Kinder-Mörder von Gleis 7: Was wäre eine gerechte Strafe?

Mittwoch, 31. Juli 2019 | 19:03 Uhr


Medien

Habte A., 40 Jahre alt, 1979 in Eritrea geboren, Vater von drei Kindern, wohnhaft in der Schweiz. 2006 reiste Habte A. in die Schweiz ein, sein Asylantrag wurde 2008 gewährt, sei dort einer gefestigten Arbeit nachgegangen, die Schweizer Behörden bezeichneten ihn einst als einen „Beispielfall gelungener Integration“ und habe sich „gut integriert“, so die Informationen, die es und vieles mehr auf der am Dienstag stattgefundenen gemeinsamen Pressekonferenz von Bundesinnenminister Horst Seehofer, BKA-Chef Holger Münch und Bundespolizei-Chef Dieter Romann zu erfahren gab.

Doch der Schein des „Beispielfall einer gelungenen Integration“ trügt, denn er ist der Kinder-Mörder von Gleis 7. Einem beispiellosen Fall von skrupellosem kaltblütigen Mord. Ein Mord, der sinnloser kaum hätte sein können und ganz Deutschland ist schockiert. Er stieß grundlos eine 40-jährige Mutter und ihren achtjährigen Sohn vor einen einfahrenden ICE. Die Mutter konnte sich in allerletzter Sekunde noch aus dem Gleisbett retten. Für ihr Kind kam jedoch jede Hilft zu spät.

Eine 78-jährige Rentnerin hatte Riesenglück, denn auch sie wollte Habte A. ins Gleisbett werfen. Doch sie wehrte sich, stürzte, aber kam mit einer Schulterverletzung davon.

Sechs Jahre lang arbeitete er bei einem Bauschlosser in Aarau, bis dieser pleiteging. Über ein Programm des Schweizerischen Arbeiterhilfswerks (SAH) bekam er einen Job in der Werkstatt der Verkehrsbetriebe in Zürich. 2007 wurde er für den Jahresbericht der SAH interviewt und sagte: „Am Anfang war es schwer wegen der Sprache und mit der Kommunikation. Aber jetzt nicht mehr. Mir gefällt, dass hier jeder Hilfe bekommt, egal, ob er arm oder reich ist.“ Für seine Kinder wünschte er sich, dass sie einmal „ein besseres und leichteres Leben als ich“ haben, der jetzt zum grausamen Kindermörder wurde.

Seine Vorgesetzte und SAH-Mitarbeiter beschrieben A. „zurückhaltend und ein wenig schüchtern“. Von Anfang an aber habe er einen „sehr guten Eindruck gemacht“. Er sei niemand gewesen, „der rumplaudert oder rumsteht“, sondern „wirklich engagiert und zuverlässig.“

Am 25. Juli 2019 rastete A. völlig aus, sperrte seine Familie im Haus ein, griff eine Nachbarin mit einem Messer an, was zu einer Fahndung innerhalb der Schweiz führte. Für seine eigene Familie war dieser Gewaltausbruch „überraschend“, es sei nicht typisch für ihn gewesen. Er reiste ein wenig später mit dem Zug unbemerkt von Basel nach Frankfurt – auf der Flucht vor der Polizei. Einen Haftbefehl gab es, aber nur einen landesweiten und keinen internationalen. Die Schweizer Polizei teilte mit, dass der 40-jährige außerdem 2019 in psychiatrischer Behandlung gewesen sei. Entsprechende Dokumente wurden bei ihm im Rahmen einer Hausdurchsuchung im Kanton Zürich gefunden und belegten dies somit.

Am Dienstag kam der „Kindermörder von Gleis 7“ aus dem Frankfurter Amtsgericht in die U-Haft. Es wurde Haftbefehl erlassen wegen Mord und Mordversuch in zwei Fällen.

Das Motiv für seine Tat ist bislang völlig unklar und so bleiben nicht nur viele Fragen, sondern auch die Trauer und die Anteilnahme ist riesengroß. Doch nicht nur die Frage, nach dem „Warum“, „Weshalb“ und „Wieso“ müssen geklärt werden, sondern auch, wie ist ein solcher Mensch zu bestrafen?

Irgendwann wird er vor Gericht gestellt. Es wird das Landgericht sein. Es wird eine Schwurgerichtskammer sein. Es wird mit aller Wahrscheinlichkeit nach, lebenslang sein, vielleicht auch die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld, so dass er eben nicht nach 15 Jahren die Möglichkeit hat, auf Bewährung freizukommen. Und vielleicht wird ebenso auch Sicherungsverwahrung angeordnet werden, denn zurecht sagen sich viele, dass solch ein Mensch das Gefängnis nie wieder verlassen darf. Ein Mensch, der so grundlos einen anderen Menschen umbringt, ist eine Gefahr für die Allgemeinheit.

Doch wäre all das gerechtfertigt? Hat solch ein Mensch überhaupt es noch verdient, weiterzuleben, wenn ein anderer und sogar ein Kind, dass sein ganzes Leben noch vor sich hatte, sein Leben verliert? Es mag eine äußerst kontroverse Frage sein, aber müsste es in solchen grausamen, abscheulichen Fällen nicht sogar die Todesstrafe geben?

Wie wir alle wissen, gibt es die Todesstrafe seit Ewigkeiten nicht mehr und selbst das Bundesverfassungsgericht hatte einst geurteilt, dass selbst ein zu lebenslang verurteilter Strafgefangene irgendwann wieder die Möglichkeit haben müsse, in die Freiheit zu gelangen. Doch was sagt unser Empfinden, wenn wir das lesen, über das ganz Deutschland schockiert? Was ist in solch Fällen wirklich „gerecht“?

Eines weiß ich: Ich möchte nicht der Richter sein, der diesem Menschen im Gerichtssaal gegenübersitzt, denn dafür wäre mein Empfinden eine ganz andere, denn dieser Person mehr oder weniger in die „Augen zu blicken“ und versuchen wollen zu verstehen, warum er dies getan hat, würde ich persönlich nicht auszuhalten wissen.

Was ich weiß ist, dass es der Mutter unfassbares Leid angetan wurde und ihr Leben nie wieder so sein wird, wie davor und dieses Gefühl, dieses Empfinden, kann meiner Meinung nach, keine Strafe dieser Welt auch nur ansatzweise wieder „ausgleichen“, denn die Mutter wird sagen, ganz gleich welche Strafe Habte A. widerfahren wird, dass ihr Kind nicht mehr lebt, aber er, er lebt weiterhin und das ist ungerecht.

@ 2019 | arena

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