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Zunächst sei einmal gesagt, dass ich Hendrik Hey und sein Team durchaus schätze, denn immerhin hat er es geschafft, seit fast sechs Jahren im heiß umkämpften Fernsehgeschäft zu bestehen und das hat wahrlich nicht jeder kleine Sender, der nicht zu einer großen Sendergruppe gehört, geschafft. Daher zolle ich ihm meinen Respekt.

Aber in einem Punkt irrt sich Hendrik Hey aber ganz gewaltig. In einem von DWDL.de am 29. Juli 2019 erschienen Artikel hat sich der Senderchef von „Welt der Wunder TV“ zu seiner neuen Vermarktungsstrategie geäußert, die mich nicht nur aufhorchen ließ, sondern auch sehr stutzig machte. So heißt es in dem Artikel u.a. „Statt auf Mediaagenturen zu setzen, die pauschal Werbeplätze einkaufen und dabei hohe Rabatte und Provisionen verlangen, spricht Hey potenzielle Kunden seit kurzer Zeit selbst an.“ Weiter heißt es, dass Goldbach (Anm: „Goldbach Germany“, ein Münchener Vermarkter) weiterhin als Vermarkter an Bord bleiben würde, aber die Mediaagenturen künftig umgangen werden sollen, schließlich solle dadurch mehr Geld in der Kasse verbleiben.

Bevor ich nun auf sein neues „Vermarktungskonzept“ eingehe, sei an dieser Stelle gesagt, dass es zwar richtig ist, dass Mediaagenturen 15% Rabatt erhalten und wenn man auch noch einen Vermarkter an seiner Seite hat, man von dem ohnehin 15% „eingesparten“ Geld nur 70% erhält, das heißt, 30% gehen pauschal als Provision an den Vermarkter. Und ich kenne Goldbach nur zu gut, denn schließlich wurden unsere einstigen Sender Family TV und blizz auch eine Zeit lang über Goldbach vermarktet und das äußerst erfolglos, zu mal und das dürfte „Welt der Wunder TV“ ähnlich gehen, man erst einmal für eine längere Zeit in Vorleistung geht, in dem man die gebuchte Werbung ausstrahlt. Das Geld gibt es meistens mit bis zu zwei Monaten nach der letzten TV-Ausstrahlung. Nun gut, geht es aber hier nicht um Goldbach, wenngleich ich schon in der Vergangenheit mit vielen Senderchefs gesprochen hatte, die eben über Goldbach vermarktet wurden und damit alles andere als zufrieden waren.

Das Vorhaben künftig auf Mediaagenturen verzichten zu wollen und stattdessen selbst die Kunden anzusprechen wird scheitern, denn Mediaagenturen sind ein „Must Have“, ohne Agenturen geht es nicht. Man mag zwar durchaus den einen oder anderen Direktkunden durch eigene Akquise für sich gewinnen, doch im Gegensatz zu Agenturen, die einen Sender an einen anderen Kunden weiterempfehlen, die sie betreuen, wenn sie feststellen, dass die (Test-)Kampagne erfolgreich war, bleibt das bei Direktkunden klassischerweise aus. Und auch nicht jeder direkt akquirierte Kunde wirbt über das ganze Jahr. Und Mediaagenturen gibt es gefühlt wie Sand am Meer und auch die akquirieren ihre Kunden wiederum auf direkter Akquise. In den vergangenen Jahren hat sich das Blatt gewendet. Während es früher noch viele Unternehmen gab, die das (TV-)Marketing direkt inhouse betrieben haben, wurde das von Zeit zu Zeit immer weniger. Immer mehr kleinere performancegesteuerte Agenturen „angelten“ sich diese Kunden und bauten so ihren Kundenstamm immer mehr und mehr aus.

Weiter heißt es im DWDL-Artikel: „Hendrik Hey sieht in dem neuen Modell viele Vorteile – auch für die mittelständischen Unternehmen oder junge Start-Ups, die ihre Produkte bewerben wollen, bei den die großen Sendergruppen aufgrund ihres Budgets aber keine Berücksichtigung finden (...)“. Eine nette Idee, die vor einigen Jahren funktionierte, auch bei uns und gerade weil die dort beschäftigten Marketing-Mitarbeiter nahezu „ahnungslos“ von TV-Werbung waren, sie sich auch leichter überzeugen ließen, als es bei Mediaagenturen der Fall war und wir damals selbst noch kaum bis selten mit einer Mediaagentur zusammenarbeiteten, was sich erst über die Jahre hinweg durch den Aufbau von Referenzen aufbaute. Und selbst wenn sich heute noch derartige Unternehmen finden lassen sollten und diese noch nicht von Agenturen „weggeschnappt“ wurden, so zahlen diese keine derartigen Beträge, die man als Sender wie „Welt der Wunder TV“ dringend benötigt, um Satellit, Kabel, Programm, Mitarbeiter und Co. finanziert zu bekommen.

Selbst die von Hey in dem Artikel angesprochene Variante „Spoterstellung + Spotausstrahlung“ bringt einem Sender kaum bis selten Größenordnungen von um die 5.000.- Euro. Das können junge Start-Ups auch gar nicht leisten. Für eine derartige Spotausstrahlung, je nach vereinbartem Paket kommen da allerhöchstens Beträge von um die 2.000.- Euro zustande. Und alleine Satellit schlägt mit um die 70.000.- Euro schon zur Buche – monatlich wohlgemerkt und das auch nur in SD-Qualität. Und man würde schon einige hundert solcher Unternehmen benötigen, um das alles finanziert zu bekommen, wenn man auf Agenturen verzichten möchte.

Fazit: Es geht nicht ohne Mediaagenturen und das ist auch gut so, denn Mediaagenturen haben die Möglichkeit, dass wenn eine auf dem Sender gebuchte Kampagne erfolgreich ist, über genau jene Agentur den Kundenkreis anzuheben und die einzelnen Kunden bereit sind, mehr Geld in die Hand zu nehmen, als bei der vorherigen Kampagne. Und das die Agenturen nun mal Rabatte bekommen, war schon immer so, denn darüber finanzieren sich wiederum auch die Agenturen. Das gut gemeinte Vorhaben von Hendrik Hey ist zum scheitern verurteilt und ich weiß wovon ich rede.

Und wenn Agenturen diesen Artikel lesen und das haben sicherlich einige und nur den Satz hören, dass auf sie verzichtet werden kann oder gar soll und man irgendwann feststellt, dass das Vorhaben mit direkter Kundenakquise eben nicht so funktioniert, wie man sich das erhofft hat und dann wieder auf die Agenturen zugeht, muss man mit der Gefahr leben, dass dann die Agenturen selbst sagen, dass sie auf den Sender künftig verzichten, denn keine Agentur liest das gerne und lässt sich unter Umständen derart „abservieren“.

Und in wie weit Goldbach bei direkter Kundenakquise helfen soll, ist mir schleierhaft, denn was macht Goldbach oder generell ein Vermarkter? Richtig, er arbeitet ausschließlich mit Agenturen zusammen und würde sich hüten, seinem Klienten dadurch zu „unterstützen“, in dem der Vermarkter direkt auf Kunden zugeht, die von einer Mediaagentur betreut werden und hier reagieren eben solche Agenturen zurecht ein wenig pissig.

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